Jonathan Simpson - Die "Anselmo-Trilogie"

Mein Interview mit dem Autor Udo Kübler


 

Udo Kübler ist uns ja bekannt, als Autor der „Anselmo-Trilogie“, rund um den Protagonisten Jonathan Simpson. Er selbst bezeichnet sich als Mensch mit einem ausgeprägten Faible für Skurriles.

 

Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass der Protagonist Jonathan Simpson,

welcher in Bonaire auf Mallorca lebt,  in jeder, der bisher 4 veröffentlichten Geschichten,  in einer anderen Wirklichkeit lebt. So erklärt sich auch sein Spruch auf den Buchwerbungen „Alcudia ist überall...“

Mal ist Jonathan Simpson Detektiv, als smarte Stahlratte, mal ein Detektiv, als Loser, mal ein brotloser Schriftsteller mit einem obskuren Auftrag eines noch obskureren Instituts für moderne Literatur usw.

Im Prinzip handelt es sich um Science-Fiction in der Tradition eines „Robert Sheckley“ womit es klar ist, dass Satire und einfach eine Portion Humor eine große Rolle spielt sowie, auch Selbstironie.

 

Dies alles allein, machte mich schon neugierig auf Udo Kübler. Dazu erfuhr ich, dass er nicht „nur“ Autor ist, sondern im realen Leben auch noch Chef und Inhaber einer recht erfolgreichen Werbeagentur im Frankfurter Raum ist. So habe ich beschlossen, ich muss diesen Menschen kennen lernen, um zu erfahren wie man dies alles unter einen Hut bekommen kann. Denn die meisten Autoren die ich bisher kenne, sind eigentlich schon ausgelastet, mit Schreiben, werben usw.

Und da Udo Kübler selbst ein neugieriger Mensch ist und auch daran interessiert ist, welche Wege andere Autoren gehen, was uns alle gemeinsam weiterbringen kann usw. hat er sich ganz spontan Zeit genommen und mich in seine Werbeagentur eingeladen.

Natürlich hatte ich auch einige Fragen im Gepäck und die Antworten dazu möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten.

 

Ein ausführliches und sehr aufschlussreiches Inverview mit Udo Kübler mit Fragen wie er denn zum Schreiben kam, ob wir weitere Bücher von ihm erwarten können und wem er seine Bücher empfehlen würde, gibt es bereits auf dem Blog „In Büchern leben“ welches Ihr hier nachlesen könnt und keinesfalls verpassen solltet:

 

http://in-buechern-leben.blogspot.de/2015/05/autoreninterview-udo-kubler.html

 

Deshalb waren meine Fragen an Udo folgende:

 

Von was wurdest du geleitet, Jonathan Simpson ins Leben zu rufen? Hast du mit deinen Geschichten Teile deines Lebens verarbeitet, oder willst du Deinen Lesern damit beweisen, dass vieles im Leben möglich ist auch wenn es unmöglich erscheint?

*Grübel* Wenn ich mich recht erinnere, ging es mir einfach darum, Geschichten schreiben zu können. Die mussten aber von jemand handeln. Also brauchte ich einen Protagonisten, der ja auch irgendwie heißen musste. Jonathan fand ich – und finde ich übrigens noch – einen sehr schönen Namen. Zumal, wenn er englisch ausgesprochen wird. Und da ich damals – lange ist’s her – noch unter dem Wahn litt, Protagonisten, die beispielsweise Werner Bollack heißen, seien für eine internationale Leserschaft schlicht inakzeptabel, stand für mich fest, dass mein Protagonist einen internationalen Namen tragen musste. Wie eben Jonathan Simpson.

 

Zwar hat dieser Jonathan Simpson auch tatsächlich so ein paar Wesenszüge, die ich von mir kenne, autobiographisch würde ich das allerdings nicht nennen. Und schon gar nicht verarbeite ich über ihn – wie sagtest du so schön? – „Teile meines Lebens“. So wenig, wie ich durch ihn oder mit ihm etwas beweisen möchte. Aber du hast schon recht: eines meiner Lieblingsthemen ist der menschliche Wille, der – wenn er gefordert wird – meist mehr bewirkt, als man erst einmal annehmen würde.

 

Wird sich dein nächstes Buch auch wieder um Jonathan Simpson drehen oder hast du vor, mal etwas ganz anderes, in einem anderen Genre zu schreiben?

Tatsächlich liegt in meiner Schublade das unvollendetes Manuskript eines Sachbuchs zum Thema „Erfolg“. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich dieses Manuskript überhaupt noch einmal in die Hand nehmen werde. Meinem Jonathan Simpson dagegen bleibe ich auf jeden Fall treu. Durch den Trick, zwar immer die selbe Location für den Plot zu wählen, diese aber immer in eine andere Wirklichkeit zu verlagern, eröffnet mir ja praktisch unendliche Möglichkeiten. So kann man meines Erachtens eigentlich keine meiner bisher vier veröffentlichten Geschichten, direkt mit einer der anderen vergleichen. Dazu ist auch die jeweilige Handlung zu unterschiedlich und eigenständig. Genremäßig gibt es da ebenfalls von Buch zu Buch, recht heftige Unterschiede.
Das kann natürlich beim Leser nicht nur Begeisterung, sondern auch Irritation hervorrufen. Damit muss ich rechnen. Ich vertraue aber fest darauf, dass es meinen Lesern mehr um das erzählerische Moment, als um die Wiederholung vertrauter Inhalte geht.

 

Dass dir nicht viel Zeit zum Schreiben bleibt, liegt auf der Hand, wenn man sieht was bei dir so alles los ist. Aber, wenn du dazu kommst, wo schreibst du am liebsten? Ziehst du dich dazu an einen Lieblingsort zurück oder brauchst du so etwas nicht?

Meistens schreibe ich auf Mallorca. Das liegt allerdings weniger daran, dass ich dort am liebsten schreibe, sondern mehr daran, dass ich dann im Urlaub bin. Und im Urlaub hat man eben schon etwas mehr Zeit als sonst. Wobei ich immer aufpassen muss! Meine Frau ist nämlich sehr streng hinterher, dass ich mich gerade im Urlaub auch ordentlich erhole. Tagsüber schreiben ist daher höchstens mal möglich, wenn in der Nebensaison das Wetter mal ganz garstig ist und man sich’s vorm Kamin gemütlich machen möchte.

Solche Momente gibt es übrigens im Winter und vor allem im Frühling durchaus …

Dass ich allerdings diese Umgebung brauchen würde, kann man nun wirklich nicht sagen. Also ich schreibe durchaus auch zu Hause und habe sogar das eine oder andere Kapitel schon mal in der Agentur geschrieben … (lacht)

 

Wie du selbst sagst, hast du im Leben zwar nicht immer alles erreicht, jedoch aber sehr viel und du bist ja auch sehr erfolgreich. Was hast du denn für Ziele für die Zukunft?

Mit dem Erfolg ist das ja so eine Sache … (grinst) Deshalb hatte ich ja damals auch dieses Sachbuch zum Thema angefangen. Aber unterm Strich gebe ich sehr gerne zu, dass ich zumindest nicht sehr erfolglos bin. Meine Ziele für die Zukunft sind 1. Dass die Agentur durch meine Hilfe weiterhin so gut im Markt bestehen kann, wie die letzten zwanzig Jahre. 2.  Ich alles so weit vorbereiten und regeln kann, dass sie das auch ohne mich schafft – weil mir das mit der Unsterblichkeit nicht glaubhaft scheint. 3. Meinen Jonathan Simpson weiterzuschreiben, so lange es irgendwie geht und Sinn macht.

Darüber hinaus möchte ich möglichst viel Zeit für meine Enkel haben – wie auch für meine Frau und meine Kinder.

 

Du bist ein viel beschäftigter Mann. In deiner Agentur herrscht trotz allem eine zufriedene und geschäftige Ruhe. Wie schaffst du es, trotz der vielen Anforderungen in deinem Leben, so viel Ruhe auszustrahlen?

Ich glaube gar nicht, dass ich das bin, der hier diese Ruhe ausstrahlt, von der du hier sprichst. Ich weiß, dass dich das bei deinem Besuch in der Agentur recht irritiert hat. Nach allem, was man so in TV-Serien je gesehen hat, haben ja alle Mitarbeiter von Werbeagenturen einen mindestens leichten Schatten, die Eigenart ständig wild herumzurennen, mit allerlei Papieren zu wedeln, ausschließlich genervt zu sein und sich gegenseitig ein Messer in den Rücken zu rammen. Bei uns hingegen herrscht eine eigenartige Ruhe. Alle sitzen geschäftig, aber scheinbar ziemlich entspannt vor ihren Macs und machen was. Wenn überhaupt jemand spricht, tut er das meist mit einem kleinen Scherz auf den Lippen und aufreizend entspannt.

Halt einer tut das nicht – das ist mein Sohn! Der ist Creative-Chef und steht permanent unter Strom …

Nein, für die Ruhe und die entspannte Atmosphäre ist das Konzept verantwortlich: keine Einzelbüros, sondern kommunikative Großraumsituationen; wenn überhaupt Wände, dann weitgehend aus Glass, um wenigstens Gesten und Blickkontakte zu ermöglichen; kein Konkurrenzkampf, sondern Teamwork; keine Möglichkeiten sich hinter Ausreden und Floskeln zu verschanzen („hat mir keiner gesagt“, „nicht meine Baustelle“ etc.), sondern höchstmögliche Eigenverantwortlichkeit bei der Arbeit; klar formulierte Ziele; eindeutiger Verhaltenskodex etc., etc.

 

Wieso hast du Deine Bücher als Selbstverleger veröffentlicht und keinen Verlag gesucht? War das einfach nur Zeitmangel oder steckt da evtl. ein anderes Ziel dahinter?

Zwei Gründe: 1. Keine Lust auf Absagefloskeln. 2. Keine Lust eine Ewigkeit zu warten, bis man weiß, ob überhaupt jemand das Exposé gelesen hat.
Ich war mein Leben lang ein Selfmade-Mann und Autodidakt. Für mich ist es nicht exotisch, sich selbst um eigene Belange zu kümmern.

 

Wie schätzt du die allgemeine Lage als Geschäftsmann für Selfpublisher ein? Leider werden diese ja oft „unwissentlich“ als 2.Wahl-Autoren klassifiziert?

Ich sehe ein wirklich großes Potenzial im Selfpublishing. Ganz ohne Quatsch … Das Problem ist vor allem die nicht vorhandene Struktur, was die Vermarktung angeht. Aber hier geht es nicht allein um Vertriebswege und Verkaufsmechaniken. Oder den Kontakt zur Buchhandlung. Oder die Akzeptanz des E-Books und, und, und …

Als alter Werbeheini weiß ich, dass das Allerwichtigste überhaupt das Gesehenwerden und die Akzeptanz ist. Nicht etwa aber von Verlagen oder vom Buchhandel, sondern vom Käufer – der in diesem Fall weitgehend mit dem Leser identisch ist. Aber eben nicht immer, da Bücher ja auch sehr gerne verschenkt werden.

Wenn es den Indies (Selfpublishern) gelingt eine lebendige, brodelnde Szene zu generieren, in der sich gerne auch Anfänger, Dilettanten, Spinner und was weiß ich noch tummeln dürfen, die aber repräsentiert wird von mutigen, selbstbewussten Querdenkern, denen es weniger darauf ankommt Verlagsvorgaben und eingeschliffene Regeln abzuarbeiten und einzuhalten, als dem Leser ein opulentes Leseerlebnis zur Verfügung zu stellen. Wenn es gelingt, diese Szene so subkulturell aufzuladen, dass Medien es für lohnend halten zumindest einmal darüber zu lästern, dann hat das Ding wirklich das Potenzial zu explodieren.

Eine solche Szene lebt von Typen und von Gegensätzen, von Irritation und Inspiration, von Schlagfertigkeit und Lust am Diskurs. Zu meiner Freude habe ich die Typen, die sich mir zu Anfang meiner FB-Zeit einfach nicht begegnen wollten, längst ausgemacht. Und täglich sehe ich mehr davon.

Was ich auch sehe, ist für feingeistige Menschen – zu denen Schreiberlinge nun einmal gehören – nicht sonderlich überraschend: viele, ganz viele Indies möchten eigentlich mit der harten Realität des Vermarktens einfach nichts zu tun haben. Klar, würden auch sie gerne erfolgreich und damit reich werden. Aber bitte nicht dadurch, dass man das eigene Werk wie einen Handkäse auf dem Markt feilbietet, sondern indem man sich lieber menschenscheu nur auf kleinen Lesungen sehen lässt, wo man leicht genervt, aber dennoch irgendwie geduldig, Widmungen schreibt und Bestseller signiert …

Ich meine das übrigens überhaupt nicht ironisch, denn wir alle, praktisch jeder Autor, hängt insgeheim solchen Träumereien nach. Man sehnt sich nach finanzieller Sicherheit, die einem ermöglicht sich zur Erstellung seines Werkes – versorgt mit den wichtigsten Dingen zur Existenz und des Wohlbefindens – in die Abgeschiedenheit einer Schreibstube zurückziehen zu können. Eine Schreibstube, zu der weder ein Vermieter, ein Bittsteller, das blöde Finanzamt, die Bank, noch sonst eine Nervensäge vordringen kann, weil eine Festung mit ungezählten Wächtern und Kämpfern auf den hohen Zinnen, alles, aber auch wirklich alles Lästige draußen hält.

Ein paar aber – und da geht nun mal kein Weg dran vorbei – werden die Drecksarbeit machen müssen, um der Welt den Blick auf diese brodelnde Szene aufzuzwingen … (lacht)

 

Was würdest du aus deinen bisherigen Erfahrungen Selfpublisher-Frischlingen raten?

Seht zu, dass ihr euch eine etwas dickere Haut zulegt. Dass ihr bereits seid, euch auch mal eins überziehen oder in den Arsch treten zu lassen. Klar ist das unangenehm, tut mitunter auch mal weh – aber man hält das durchaus aus. Man muss eben auch wollen. Wer sich gar nicht von seiner Version des oben geschilderten Autoren-Traums trennen kann, muss halt weiter hinten mitschwimmen, wo’s nicht ganz so taff zur Sache geht …

Wer es irgendwie gebacken kriegt, sollte versuchen zu lernen, was er lernen kann. Thema egal. Es gibt nicht, was überflüssig ist. Du kannst gewinnen lernen, verlieren lernen, hinfallen lernen, aufstehen lernen, sehen lernen, hören lernen, fühlen lernen – sogar Lernen kann man lernen. Und am wichtigsten: man muss lernen das Gelernte umzusetzen. Und dabei ist wiederum hilfreich, wenn man gelernt hat auch weiterzumachen, wenn man in die Schnauze gekriegt hat …

Ansonsten sollte sich keiner so einfach seine Träume kaputt machen lassen. Und so lange schreiben, bis ihm entweder die Ideen ausgehen oder Gevatter Tod ihm die Tastatur wegnimmt …

 

Vielen Dank für deine aufschlussreichen Antworten und dass du mir die Möglichkeit gegeben hast, etwas hinter die Kulissen des skurrilen Udo Küblers zu blicken.

Sehr gerne. Freue mich, dass man mir die Ehre gewährt hat, mich hier auch mal zu ein paar anderen Fragen als üblich zu äußern. Diese Fragen haben mich zwar etwas überrascht, aber ich finde sie eigentlich verdammt hintersinnig und gescheit.

 

Apropos gescheit: Im Nachhinein finde ich es glaube ich doch recht gescheit, dass ich meinen Protagonisten nicht Werner Bollack, sondern Jonathan Simpson genannt habe. Und zwar weniger wegen dieser Internationalität, als einfach deshalb, weil’s eindeutig geiler klingt …


Ein herzliches Dankeschön an Udo Kübler, für dieses tolle und aufschlussreiche Interview. Ich hoffe, dass es vielen Autoren da draussen sehr viel Mut macht... Denn wenn man will, kann man auch seine Ziele erreichen!!!

 

Ich hoffe es hat Euch gefallen - Mir hat es sehr viel Spaß gemacht....

 

Eure Beate