"Die Fabiansuppe" - "Die Laubbläserkriege"

Mein Interview mit dem Autor Uwe Janning



 

Uwe Janning, ist uns ja bekannt als Schriftsteller der Bücher "Die Fabiansuppe" und "Die Laubbläserkriege". Dass er etwas abgedreht ist, merkt man recht schnell... Da ich einen Faible für durchgeknallte Menschen habe, weil ich ja selbst etwas bescheuert bin, wollte ich unbedingt mehr über Uwe Janning wissen und habe mich entschlossen, ein Interview mit ihm zu machen, welches ich Euch natürlich nicht vorenthalten will...


 

Uwe, Du bist Humorist…

Ja, mir fällt einfach keine bessere Bezeichnung für mich ein.

 

Lass mich doch ausreden. Du bist Humorist. Dürfen wir ein lustiges Interview erwarten?

Auch wenn es nicht gerade von Professionalität zeugt: Das wird leider nicht klappen. Entschuldigung.

 

Naja, es sind ja Deine Leser, die Du vergraulst. (Grinst unsicher)

Nicht gut drauf momentan oder woran liegt es?

Nicht gut drauf, richtig. Einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben ist vor kurzem gestorben, das kann selbst mir die Laune verderben.

 

Soll ich nachfragen…

Bitte nicht.

 

Ok. Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Ach, Du großer Gott. Wirklich?

 

Was denn?

Das ist doch vollkommen uninteressant.

 

Du entwickelst Dich gerade zum Stinkstiefel. Das können sich höchstens Rockstars leisten, Du bist aber ein eher wenig bekannter Autor.

Ich bin ein Stinkstiefel, weil ich eine banale Frage erkenne, wenn sie mir über den Weg läuft?

 

Die Frage ist nicht banal. Sie soll uns etwas über Deine Grundmotivation verraten.

Die Frage nach der Grundmotivation ist tatsächlich alles andere als banal. Und kaum zu beantworten. Wahrscheinlich funktioniert mein Gehirn nicht so, wie es die Evolution eigentlich vorgibt. Es war mir schon immer ein Bedürfnis, mich in irgendeiner Form auszudrücken. Das war früher die Musik, einige Jahre die Malerei und dann bin ich wieder zu dem zurückgekehrt, was ich schon in meiner Jugend begonnen hatte – Schreiben.

 

Und warum soll dann Dein Gehirn nicht normal funktionieren?

Ein normal funktionierendes Gehirn versucht Mittel und Wege zu finden, ein glückliches Leben voller Sicherheit für sich selbst und die Familie zu schaffen. Essen, ein Dach über dem Kopf, eine gesicherte Altersvorsorge. Das hat nichts mit Spießigkeit zu tun; es sind ganz elementare Dinge! Wenn jemand diese objektiv betrachtet so absolut grundlegend wichtigen Aspekte des Lebens künstlerischem Ausdruck unterordnet, kann er nicht mehr alle Latten auf dem Zaun haben.

 

Also haben Deiner Meinung nach alle Künstler einen an der Waffel?

Das kann Dich doch nicht wirklich überraschen, oder?

 

Naja, eigentlich nicht…

Das sagt ja nichts über ihren IQ, ihr Talent oder ihre sozialen Fähigkeiten aus. Sie bringen nur sich selbst und andere in gefährliche Lebenssituationen. Ich weiß, wovon ich rede. Ich kann Dir gerne mal das letzte Schreiben der Deutschen Rentenversicherung zeigen, das mir ins Haus geflattert ist. So viel schwarzen Humor kann noch nicht einmal ich aufbringen, dass ich darüber lachen kann.

 

Soll heißen, Du kannst nicht vom Schreiben leben?

(Lacht leicht hysterisch mit einem Hauch von Verzweiflung) Nein, kann ich nicht. Aber das ist mein Ziel.

 

Konkrete Pläne dieses Ziel zu erreichen liegen vor?

Sich selbst treu bleiben, Kompromisse meiden wie der Teufel das Weihwasser, deutlich mehr arbeiten als andere und vor allem: durchhalten, durchhalten und noch mal durchhalten. Ach ja… und Interviews geben (grinst).

 

Zu Deinem neuen Roman…

Die Laubbläserkriege – Oder wie ich lernte, die Lüge zu lieben

 

Du nimmst mir das Wort aus dem Mund. Worum geht’s in dem Buch?

Es ist eine Liebesgeschichte, ein Entwicklungsroman und eine Mediensatire. Drei Ebenen, die, so hoffe ich jedenfalls, so hübsch miteinander verwoben sind, dass ein sehr ansehnlicher Erzählteppich daraus geworden ist. Das Ganze natürlich mit viel Humor gewürzt. Schwarz, skurril und absurd. So wie ich es mag.

 

Warum ist Dir Humor so wichtig?

Weil Menschen viel aufnahmebereiter sind, wenn sie unterhalten werden. Hätte mir meine Mathelehrerin damals Algebra in Form von guten Witzen beigebracht, wäre mir so manche Fünf erspart geblieben. Die Dame war aber leider vollkommen humorbefreit. Einen Mann hatte sie meines Wissens auch nicht. Hoffe ich zumindest – für die Männer dieser Welt.

 

Kannst Du uns diese drei Ebenen des Romans ein bisschen ausführlicher darlegen?

Fangen wir mit der Liebesgeschichte an. Mein Protagonist Fabian wurde von seiner Freundin Hilde verlassen. Er durchläuft alle Stadien des Trennungsprozesses, hält Hilde für eine „blöde Kuh“ und macht sich vor, im Grunde ganz froh zu sein, aus diesem „Beziehungsknast“ endlich befreit zu sein. Er interessiert sich für andere Frauen, was zu großen Schwierigkeiten führt – und gesteht sich dann doch ein, dass er wohl nur seine Hilde liebt. Doch sie zurück zu gewinnen, das wird ein langer, schwieriger Weg.

Ein Entwicklungsroman ist er in dem Sinne, als dass Fabian eine grundsätzliche charakterliche Umwandlung durchmacht. Also eine „Entwicklung“, verstehst Du?

 

Ich weiß, was ein Entwicklungsroman ist.

Wirklich?

 

Ja, doch. Gott, bist Du ein Klugscheißer.

So wie Fabian. Im Laufe der Zeit wird man seinem Protagonisten immer ähnlicher. Sorry.

Vielleicht ist „Umwandlung“ das falsche Wort; es ist wohl eher so, dass eine Seite seines Charakters im Laufe des Romans immer mehr freigelegt wird, von deren Existenz er selbst überhaupt keine Ahnung hatte. Ohne zu viel zu verraten: Hilde war sich dagegen von Anfang an ziemlich sicher, dass diese Facette Fabians unter der Oberfläche lauert.

Die dritte Ebene, eine Mediensatire, ja, das steht auf dem Cover des Romans. Man muss sich ja leider für eine Schublade entscheiden, ansonsten verkauft sich das Buch nicht und damit ist nun wirklich niemandem geholfen.

 

Vor allem nicht Dir!

Richtig, denk an meinen Rentenbescheid! Zurück zum Element „Mediensatire“. Da muss ich etwas ausholen, versuche mich aber so kurz wie möglich zu fassen. Für Fabian ist das höchste Ideal eines Autoren die differenzierte Betrachtungsweise und größtmögliche Objektivität. Nun stellen wir in der Realität jedoch fest, dass Medien alles andere als objektiv sind. Sie sind noch nicht einmal um Objektivität bemüht, obwohl sie ihre Erzeugnisse unter diesem Label verkaufen. Was steht unter dem Logo der Bild? „Unabhängig, überparteilich“. Lachen kann darüber kaum noch jemand. Die traurige Wahrheit, zumindest die praktizierte Realität ist folgende: Ein Medienerzeugnis ist ein Produkt wie jedes andere auch. Wenn es verkauft werden soll, muss eine Zielgruppe angesprochen werden. Und jede Zielgruppe hat nun einmal ihre ganz eigene „Objektivität“, die sie gefälligst auch hören will. Die Menschen geben kein Geld für etwas aus, das ihnen nicht in den Kram passt. Wie viele Exemplare würde die Bild-Zeitung wohl verkaufen, wenn sie jeden Tag einen veganen Lebensstil, radikalen Feminismus oder das baldige Ende der sozialen Marktwirtschaft propagieren würde? Genau! Null! Dafür ist nämlich die Süddeutsche Zeitung zuständig.

Elementar für das Überleben der Medien ist aber nicht nur die Wahl der Themen und ihre zielgruppengerechte Position dazu, elementar ist vor allem eins: Differenzierte Betrachtungsweisen eines Problems sind das reinste Umsatzgift. Das größte Interesse eines Medienhauses liegt darin, so lange ideologische Gräben zu schaufeln, bis die Konsumenten ihrer Produkte nur noch Schwarz/Weiß denken und gesellschaftlicher Dialog in blanken Hass umschlägt. Je tiefer der Hass, desto mehr Medienerzeugnisse werden verkauft, die das jeweilige andere Lager diffamieren bzw. die eigene Meinung zur einzig richtigen erklären.

Die aktuelle Flüchtlingsproblematik ist – leider – ein sehr gutes Beispiel dafür. Nahezu von Anfang an wurden in den Medien nur zwei Standpunkte vertreten: entweder wurden die, die wagten, das ein oder andere Problemchen im Zuge des Flüchtlingsstroms anzusprechen, als rassistische Nazis gebrandmarkt oder es wurde die, die helfen wollen, als weltfremde „Gutmenschen“ geächtet. Die Kassen der Medienhäuser klingeln.

In diese Welt wird nun Fabian geschubst. Wie er damit umgeht, kann jeder im Buch erfahren.

 

Fertig?

Ich wollte es ja kurz halten.

 

War’s aber nicht. Und lustig war es auch nicht. Du sagtest doch, dass Menschen aufnahmefähiger sind, wenn sie unterhalten werden.

So wie Fabian habe auch ich Ideale. Es ist aber schwer, sich immer daran zu halten. Außerdem sagte ich ja schon eingangs: Ich bin schlecht drauf.

 

Muffelkopf!

Möchtegernjournalistin!

 

Armes Schwein!

Das war jetzt gemein, weil wahr.

 

Jetzt heul doch nicht gleich…

(Weint jämmerlich)

 

Soll ich Dich in den Arm nehmen?

(Nickt)

 

 

Finger weg von mir, bist Du bekloppt?   

Och…, ich…

 

...Das Interview ist hiermit beendet.



Hier die Ausschnitte seiner Lesungen zu

"Die Laubbläserkriege - Oder wie ich lernte, die Lüge zu lieben"

 

Kapitel 1 und 2

Kapitel 3

Kapitel 4


Kapitel 7

Kapitel 8




Ein herzliches Dankeschön an Uwe Janning, für dieses abgefahrene Interview. Ich hoffe es hat Euch gefallen - Mir hat es sehr viel Spaß gemacht ....

 

Eure Beate